Sightmatching - Der ultimative Dating-Trend für Globetrotter

Du erkundest die Welt, fliegst an dein Traumziel und weisst dann nicht genau, wie es weitergehen soll? Tinder weiss Rat!

Was ist Sightmatching?

  • Der neueste Begriff im Dating-Vokabular lautet "Sightmatching", ein Schachtelwort aus "Sightseeing" und "Matching" 
  • Du bist allein auf Reisen und suchst nach etwas ortskundiger Gesellschaft? Raus mit dem Smartphone und ab zu Tinder & Co - hier findest du am leichtesten nette Einheimische, die dir die Gegend zeigen
Sightmatching Profil

Sind Dating Apps wirklich nur für Dates geeignet? Ganz im Gegenteil! Unsere hauseigene Dating-Expertin Celia Schweyer hat auf ihrem letzen Trip die App Tinder mal für ganz andere Zwecke genutzt und kann bestätigen, dass es kaum einen besseren Weg gibt, um sich auf die Schnelle sympathische Reiseführer zu "rekrutieren."

Wie ich mit dem Sightmatching angefangen habe

Zuallererst, ich reise eigentlich ganz gerne alleine. So habe ich die Möglichkeit, dorthin zu gehen, wo es mich hinzieht, ohne Kompromisse eingehen zu müssen. Meistens war ich auch durch Pinterest, Facebook-Gruppen und Reiseführer sehr gut beraten, oder habe mich unterwegs anderen Backpackern angeschlossen.

Auf meiner letzten Reise in die Karibik, nach Guadeloupe, einem Archipel der kleinen Antillen und einem französichen Übergebiet, war es jedoch schier unmöglich auf altbewährte Kennenlern-Methoden zurückzugreifen. Es gab keine englischsprachigen Facebook-Grupen, keine Hostels (ich wohnte in einem Airbnb) und darüber hinaus hatte ich kein Auto. So wusste ich zwar grob, was ich mir alles anschauen wollte, aber nicht wirklich, wie ich überall hinkommen sollte. 

So sass ich also am ersten Abend bei einem Bier auf meiner Terasse und hatte DIE Idee: Probieren wir's doch mal mit Tinder!

Das Sightmatching-Profil

Zu diesem Zweck brauchte mein Tinder-Profil dringend ein Update. Denn natürlich war der Text aufs Tindern zuhause ausgelegt und auf deutsch. Um es von Anfang für klare Verhältnisse zu sorgen, entschloss ich mich, mich gleich als Reisende zu outen und gab an, auf der Suche nach Gesellschaft zu sein, um gemeinsam die Insel zu erkunden. Trotzdem, ein klares "Nein" gegenüber "richtigen" Dates habe ich ausgelassen. Immerhin bin ich Single und hatte nichts gegen einen Urlaubsflirt einzuwenden, wenn sich denn ein richtig netter Bursche finden würde. 

Mein Text lautete also (übersetzt):

"Die Welt erkunden (gerade auf Guadeloupe bis zum 20. Dezember)! Ich spreche leider nur sehr wenig Französisch. Suche nach Gefährten, die mit mir diesen wunderschönen Ort erkunden wollen. Aus München, Deutschland"

Sightmatching Profile Text

Als nächstes lud ich noch ein neues Bild von mir hoch, welches ich gerade erst am Nachmittag am Strand von mir gemacht hatte. Ready, set, go! 

Auf der Suche nach Einheimischen

Würde ich hier in Guadeloupe Männer finden, die mir gefallen? Denn, mal ehrlich: Auch wenn ich "nur" nach Männern suchte, die mir ein paar tolle Orte zeigen, so sollten es doch solche sein, die ich auch daheim nach rechts swipen würde. Warum? So eine Erkundungstour dauert ja zumindest einige Stunden, und die würde ich nicht mit jemandem verbringen wollen, der mir so gar nicht zusagt. Daher: 

  • Keine Profile, die nur ein Foto und auch sonst nur wenig Informationen bereithalten
  • Keine Profile mit ausschliesslich französischem Profiltext (mein Französisch ist wirklich seeehr schwach!)
  • Keine Profile in denen irgendwas über Hookups, One Night Stands oder andere sexuelle Interessen steht
  • Und letztlich sollten mir die Männer auch optisch gefallen

Zu meiner Überraschung fanden sich mehr Männer als erwartet, die all diesen Kriterien entsprachen. Zuhause sitze und swipe ich manchmal 5 Minuten lang jedes Profil weg, weil einfach nichts passendes dabei ist, und schliesse die App frustriert wieder. Aber hier hatte ich schon in der ersten Minute zwei Männer, die ich nach rechts wischen konnte. Bei einem gabs sofort ein Match, beim anderen erhielt ich wenig später eine Benachrichtigung, dass er mich auch kennenlernen wollte. Mir war klar: Der Plan funktioniert!

Erfahrungen und Erfolge mit Sightmatching

Martin, 32, Kinderarzt

Martin sah wahnsinng gut auf seinen Profilbildern aus - blond, gross, sportlich. Ausserdem schien er Humor zu haben: Auf einem seiner Bilder sass er wie ein Äffchen auf einem Felsen unter einem Wasserfall und grinste wie ein kleiner Junge. Weitere Bilder zeigten ihn beim wandern und bei der Arbeit. 

Er schrieb mir ein paar Minuten nachdem wir gematcht hatten. Er erzählte mir, dass er als Kinderarzt in einem Krankenhaus arbeitete und vor etwa einem Jahr von französischen Festland nach Basse-Terre auf Guadeloupe gezogen war. So ziemlich alles was er schrieb klang super sympatisch und kurz darauf fragt er auch schon: 

"Hast du morgen Zeit? Ich kann dir den "Soufrière" zeigen!"

Chat mit Martin

Der Soufrière ist ein Vulkan und der höchste Berg der kleinen Antillen - und als solcher stand er natürlich auf meiner To-Do-Liste. Also sagte ich sofort zu. Er erwähnte, dass er nur wenige Stunden Zeit haben würde, es war also von vorneherein klar, dass das nicht unbedingt ein klassisches Date werden würde. Er verspätete sich ein bisschen, da er noch einen Kumpel abholen musste, der auch mitkam. 

Die Wanderung war unfassbar anstrengend aber gleichzeitig richtig toll. Wir erklommen den Gipfel in circa zwei Stunden. Die Aussicht und der Blick in den Krater waren trotz beissender Schwefeldämpfe eine grandiose Erfahrung, wie ich sie eben hier machen wollte. Auf dem Weg nach unten stürtze ich leider ziemlich böse und schlug mir dabei fast einen Zahn aus, blieb aber tapfer. Martin, wohlgemerkt Arzt, lies mich dann einfach stehen und verschwand zu seinem Termin. Mit seinem Kumpel bin ich dann zu einer Apotheke und zu einem Streetfood-Markt gehumpelt, anschliessend sind wir zusammen mit dem Bus zurückgefahren. Zu schade, dass er ganze acht Jahre jünger war als ich, er war nämlich auch recht süss. Martin und ich haben uns danach nicht weiter geschrieben. 

Alex, 33, Lehrer

Der nächste Mann, den ich kennenlernte, war Alex. Er schlug umgehend vor, mir "einen schönen Fluss" zu zeigen, genauer meinte er dessen Quelle mitten im tropischen Regenwald. Ich war sofort hellauf begeistert. Zudem sah auch er ziemlich gut aus. Er holte mich also am nächsten Tag von meinem Airbnb ab und wir fuhren los. 

Nach der Fahrt über Zuckerrohr- und Bananenplantagen erreichten wir einen recht eigenartigen Parkplatz vor einem komplett heruntergekommenem Haus. Doch direkt dahinter führte ein kleiner Trampelpfad über umgefallene Bäume und steile, matschige Abhänge, die nur mithilfe von Lianen zu bewältigen waren, direkt zur "Saut de la Lézarde" - ein atemberaubender Ort! 

Chat mit Alex

Es war einer dieser kristallklaren Regelwald-Tümpel, die ich zuvor nur auf Bali-Urlaubsbildern von Freunden gesehen hatte. Ich wollte sofort hinenspringen, aber Alex gab an, erkältet zu sein und nicht schwimmen gehen zu wollen. Was solls, also tat ichs allein. Den Sprung vom 12 Meter hohen Wasserfall habe ich mir natürlich auch nicht entgehen lassen, den er zum Glück für mich gefilmt hat, siehe unten. Zudem hatte er noch etwas Gras dabei, "weil ja alle deutschen Frauen gerne kiffen, richtig?". Ein rundum gelungener Nachmittag also. Anschliessend fuhr er mich heim, wir hörten im Auto laute Musik - haben aber dann doch recht zügig wieder den Kontakt verloren. 

Jonathan, 30, Tonmeister beim Film

Jonathan (er bestand darauf, dass man das Englisch und nicht Französisch ausspricht, obwohl er 100% Franzose war) war ein richtig heisser Typ. Er erinnerte mich ein wenig an einen Schwarm aus meinen Teenagertagen. Wir fingen eines Abends an zu schreiben und er sagte, dass er Langeweile habe und ob ich nicht Lust auf einen Drink hätte - hatte ich. Er holte mich ungefähr eine Stunde später vom Airbnb ab. 

Schon auf der Fahrt verstanden wir uns ausgezeichnet. Er hatte beim Schreiben zwar einige Bars und den Hafen erwähnt; wir kauften allerdings Bier in einem Kiosk und er fuhr uns zu einem kleinen Strand einige Kilometer weiter. Es war schon ziemlich dunkel. 

Jonathan Text

Doch anders als man vielleicht erwarten würde, passierte an diesem Abend nicht viel. Wir tranken unser Bier und redeten über den Strand und andere Dinge. Auf der Heimfahrt fragte er allerdings plötzlich "Stehst du auf Abenteuer?" Na klar, er meinte Sex. Mir war aber nicht danach also reagierte ich mit einem lapidaren "Nicht beim ersten Date", er liess es gut sein und brachte mich nach Hause. 

Wir schrieben weiter und nach ein paar Tagen trafen wir uns wieder. Wir fuhren an einen anderen Strand, tranken Wein und hörten Musik und...  nun ja, sagen wir einfach es war sehr lustig und reichlich unbequem. Vertraut mir: In völliger Dunkelheit und sich an einem sandigen Mangrovenbaum abstützend Sex zu haben, kann wirklich nicht mit der romantischen Vorstellung von Liebemachen am Strand mithalten. 

Er schrieb mir danach weiterhin und es wurde ein bisschen seltsam, als er darauf bestand, dass ich ihm sage und beschreibe, wie ich "es" mit ihm fand. Aber, keine Reue, ich hatte Spass. 

"Honorable Mentions"

Luc, 33

Wir schrieben uns und fanden heraus, dass wir am kommenden Tag an den gleichen Ort fahren wollten. Ja, in der Tat, für manche Ausflüge brauchte ich kein persönliches Taxi sondern nahm den Bus. Aber es war natürlich eine willkommene Überraschung, die Ortschaft Deshaies und ihre Strände nicht alleine erkunden zu müssen. Wir trafen uns also, assen zu Mittag, liefen etwas durch die Gegend und tranken viel zu viel Rum. Dann gings schwimmen und schnorcheln am "Plage de la Perle". Näher sind wir uns nicht gekommen, schreiben uns aber noch heute. 

Raphael, 34

Raphael war wie ich Tourist und hatte auch eine Tagestour auf die Inseln der "Petite Terre" auf seinem Zettel. Wir koordinierten das und trafen uns auf dem Ausflugs-Katamaran. Dort gabs schon am Morgen Rum-Punch, also kam zügig Stimmung auf. Beim Schnorcheln mit Gelbhaien, Schildkröten und allerlei Tropenfischchen kamen wir uns schon etwas näher. Nach der Rückkehr gingen wir noch in eine Bar und knutschten ein wenig, mehr aber auch nicht. 

Der obligatorische Depp

Einen muss es ja geben, richtig? Sein Name war Romain, und er arbeitete als Küchenchef in einem Clubhotel. Er wollte mich unbedingt treffen und erwähnte, dass er in der folgenden Woche zwei Tage Zeit hätte, die er gerne mit mir verbringen wollte. Nun ja? Er wurde dann etwas deutlicher: "Also ich schlaf dann schon bei dir, ne? Haha.". Hab ihm abgesagt und mich nicht mehr gemeldet. 

Ist Sightmatching auch was für dich?

"Du schlägst also vor, einfach zu wildfremden Männern ins Auto zu steigen und mit ihnen gott-weiss-wohin zu fahren?". So gesehen klingt es etwas schräg, korrekt. Ich würde diesen Dating-Trend daher nur erfahrenen Reisenden und Dateneden empfehlen. Wer regelmässig auf Dates geht und auch sonst eine gute Menschenkenntnis mitbringt, kann gut abschätzen, ob man einem Fremden das nötige Vertrauen entgegen bringen kann. 

Triff dich also nicht mit Leuten, bei denen du dir unsicher bist. Steig nicht in ein Auto, wenn du sofort ein flaues Gefühl im Magen bekommst oder die Person anders aussieht als erwartet. Und natürlich, wenn dir dein Match etwas cooles gezeigt hat und plötzlich eine "Gegenleistung" erwartet, auf die du keinen Bock hast, gib ihm oder ihr das deutlich zu verrstehen. Bloss keine (Bring-)Schuldgefühle, du hast keine Vereinbarung unterschrieben. 

Ist es denn anders als daheim auf Dates zu gehen?

Na klar: Bedenke, dass du die Gegend nicht kennst und vermutlich auch keine "Exit-Strategie" hast. Wie die Freundin, die plötzlich "ganz dringend deine Hilfe braucht". Ausserdem ist es ja die Grundidee von Sightmatching, vordergründig den Urlaubsort und nicht den Menschen kennenzulernen. Dass sich daraus trotzdem ein Flirt entwickeln kann, aber nicht muss, hast du aber am Anfang offen gelassen. 

Sightmatching - Vorteile und Nachteile

Hier nochmal zusammengefasst - alle Vor- und Nachteile des Dating-Trends "Sightmatching"

Vorteile:

  • Du kommst an Orte, die du allein wahrscheinlich nicht gefunden oder erreicht hättest
  • Du bist nicht allein auf deinen Reisen
  • Die Chancen, nette Bekanntschaften zu schliessen sind doch sehr hoch
  • Kein Grund sich festzulegen - du bist im Urlaub und bald wieder weg

Nachteile:

  • Eignet sich eher für sehr selbstbewusste Singles, mit guter Menschenkenntnis und Dating-Erfahrungen
  • Mit mehreren Personen gleichzeitig schreiben und Dinge ausmachen kann auf Dauer ziemlich stressig sein - und wer will schon Stress im Urlaub?
  • Genau wie zu Hause ist mit ziemlicher Sicherheit auch mal ein Fehlgriff dabei
  • Es kann natürlich auch passieren, dass niemand für dich den Reiseführer spielen möchte. Aber, dranbleiben und weiterversuchen.

Mir hat "Sightmatching" viel Spass und Bereicherung gebracht und ich mache es sicher im nächsten Urlaub wieder. Ich hätte es nämlich allein nie auf den Vulkan geschafft (da fährt kein Bus hin), die "Saut de la Lézarde" war in meinem Reiseführer so knapp erwähnt, dass sich sie überlesen hätte und meine anderen Ausflüge wären um einiges langweiliger gewesen. In diesem Sinne: Danke, Tinder (und den Jungs)! 

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